Wie du mir, so ich dir
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Wie du mir, so ich dir!

Sonntag - fr mich der schnste Tag in der Woche. Kein lstiger Wecker, der einen vor sechs Uhr aus dem Schlaf reit, kein dichter Morgenverkehr, der bereits zu frher Stunde die Nerven strapaziert, kein Groraumbro, in dem es hektisch hergeht und vor allem kein schlechtgelaunter Boss, der einen herumscheucht.
Zufrieden seufzend lasse ich mich in die weichen Polster des Sofas sinken und sehe vertrumt nach drauen. Der Frhling hlt in Washington Einzug, die Sonne scheint vom wolkenlosen blauen Himmel und wrmt mit ihren Strahlen die Erde. Die Bume beginnen zu knospen und die ersten bunten Blumen ffnen ihre Blten, um die wrmere Jahreszeit zu begren. Es ist ein friedlicher Sonntag, richtig geeignet, um sich von einer stressigen Woche zu erholen - schon allein deshalb liebe ich diesen Tag, an dem sogar Mrder meistens Frieden geben und bis Montag warten, um wieder zuzuschlagen. Ich fange zu ghnen an, strecke mich gensslich und schliee die Augen. Mein Magen ist durch das Mittagessen zufrieden gestellt und ich merke, wie ich wegdmmere, geniee die Ruhe, die lediglich durch das Konzert der Vgel unterbrochen wird. Herrlich, diese Stille
DiNozzo!" Der laute Schrei lsst mich so heftig zusammenzucken, dass ich beinahe von der Couch gefallen wre und es mich nicht gewundert htte, wenn das Federvieh, das auf den Bumen hockt, erschrocken das Weite gesucht htte. Okay, ich revidiere meine Aussage von vorhin: Sonntag fr mich normalerweise der schnste Tag in der Woche, msste ich nicht auf einen schlechtgelaunten Boss aufpassen, der sich von einer Magenverstimmung erholt. Genau, Sie haben schon richtig gelesen. Leroy Jethro Gibbs erholt sich von einer Magenverstimmung, kaum zu glauben, aber wahr.
Alles hat am Freitagvormittag angefangen, als wir den Schauplatz eines Mordes untersucht haben. Man hat regelrecht mitverfolgen knnen, wie alle Farbe aus dem Gesicht des Chefermittlers gewichen ist und er sich ein paar Sekunden spter am Tatort bergeben hat. Na ja, nicht direkt am Tatort. Er hat es noch geschafft, ins Freie zu flchten. Zuerst habe ich gedacht, es wre an der grausig zugerichteten Leiche gelegen, aus deren tiefer Bauchwunde die Eingeweide hervorgequollen sind. Wirklich kein netter Anblick, aber lassen wir das.
Drei Stunden spter wir sind wieder im Groraumbro gewesen habe ich den Eindruck gehabt, alles wre wie immer. Gibbs ist mit seinem blichen Becher Kaffee aus dem Fahrstuhl gekommen, hat sich auf seinen Platz gesetzt und einen groen Schluck getrunken. Eine Minute spter hat der Mlleimer neben seinem Schreitisch als Toilette herhalten mssen. Nicht gerade appetitlich, vor allem, wenn man dabei ist, einen groen Hamburger zu verschlingen. Ab diesem Zeitpunkt ist uns allen bewusst gewesen, dass mit Jethro etwas nicht stimmen kann, schon gar nicht, wenn er nicht einmal sein Lieblingsgetrnk vertrgt. Ich habe McGee sofort zu Ducky geschickt, der dann auch mit seiner schwarzen Tasche und einem sichtlich verwirrten Agent im Schlepptau aufgetaucht ist. Ich kann es Tim nicht verdenken, dass er ein wenig durcheinander gewesen ist, schlielich ist es das erste Mal gewesen, dass Gibbs Anzeichen einer Krankheit gezeigt hat.
Die klare Diagnose des Pathologen: Magenverstimmung, wahrscheinlich verursacht durch irgendeinen gemeinen Virus. Diese kleinen Biester mssen ja lebensmde gewesen sein, dass sie sich ausgerechnet den Chefermittler als Ziel ausgesucht haben, aber lassen wir das. Natrlich hat Ducky sofortige Bettruhe verordnet und normalerweise befolgt man den Ratschlag eines Arztes. Okay, er ist kein Arzt in dem Sinne, hat aber immerhin Medizin studiert. Und was macht Gibbs? Richtig, er ist nicht nach Hause gefahren und hat sich aufs Ohr gelegt, sondern ist an seinem Platz sitzen geblieben, noch schlechter gelaunt als sonst und hat sich in den Fall verbissen. Das Ergebnis: am Abend ist der Mrder des Lieutenants bereits im Gefngnis gesessen und der Sturkopf von einem Chefermittlers hat sich whrend des Nachmittags fnf Mal auf die Toilette verzogen und ist stndig blasser geworden.
Das hat selbst Ducky gereicht, der seinen Freund buchstblich aus dem Hauptquartier geschleift und ihn nach Hause gebracht hat, wo er auf ihn den ganzen Samstag aufgepasst hat, anstatt bei seiner alten, zu Gedchtnislcken neigenden Mutter zu sein. Diese hat er einfach bei einer Nachbarin untergebracht, kaum zu glauben, aber wahr.
Und heute Morgen an meinem verdienten ruhigen Sonntag ist der verhngnisvolle Anruf gekommen. Ducky knne seine Mutter nicht lnger bei der Nachbarin lassen, da diese wegen der quirligen alten Dame beinahe einen Nervenzusammenbruch erlitten hat und am liebsten laut schreiend hinausrennen wrde. Natrlich stellt sich jetzt die Frage: wieso soll ausgerechnet ich die geeignete Person sein, um auf einen bellaunigen und kranken Gibbs aufzupassen? Die Antwort ist einfach: ich bin der Einzige, der Zeit hat, oder sagen wir besser, der nichts Wichtiges vorhat. McGee ist mit seiner Schwester unterwegs, Abby hat ein Treffen mit ihren zahlreichen Gothfreunden und Ziva trainiert ihre Kampftechniken. Wer auer dem treuergebenen Anthony DiNozzo bleibt also sonst noch brig? Richtig, niemand. Also habe ich mir bevor ich es mir anders berlegen kann die Autoschlssel geschnappt und bin zu Gibbs gedst, anstatt mir einen Magnummarathon zu gnnen, so wie ich es ursprnglich vorgehabt habe.
Ducky hat mich an der Haustre empfangen, mir berichtet, dass es Jethro besser geht und er schon wieder herumschimpft, wenn ihm etwas nicht passt. Also, alles wie immer na ja, fast. Die nchsten Worte des Pathologen haben mir starkes Herzklopfen beschert und ich htte am liebsten schreiend das Weite gesucht. Keinen Kaffee", hat er zu mir gesagt und mich streng mit erhobenen Augenbrauen angesehen. Sein Magen muss sich erst erholen und Koffein wre da gar nicht gut, auch wenn er behauptet, es wrde ihm nicht schaden und er wrde es bei sich behalten. Glaub ihm das ja nicht." Dann hat er mich alleine gelassen, mit einem Gibbs, der seit ber 24 Stunden keinen Kaffee mehr gehabt hat und auch bis mindestens morgen Frh keinen bekommen darf. In dem Bewusstsein, den Tag nicht lebend zu berstehen, habe ich mich schlielich in mein Schicksal gefgt, Jethro kurz gesagt ohne jedoch das Schlafzimmer zu betreten, ich bin ja nicht lebensmde dass ich jetzt auf ihn aufpassen wrde und mich im Wohnzimmer auf das Sofa gesetzt. Die Stunden bis zum Mittag sind ruhig verlaufen, wobei der Grund dafr ein schlafender Chefermittler gewesen ist. Ich habe ohne Strung mein wohlverdientes Sonntagsessen verschlungen und mich bereits auf ein Nickerchen gefreut, als mich seine wohlklingende Stimme aus meinem Dmmerzustand gerissen hat.
DiNozzo!" Erneut schreit er nach mir und ich erhebe mich seufzend. Aus Erfahrung wei ich, dass man Gibbs nicht lange warten lassen soll, schon gar nicht, wenn er sich wie ein tollwtiger Hund anhrt, der dabei ist, jemanden zu zerfleischen. Deshalb eile ich die Stufen hinauf, ffne die nur angelehnte Schlafzimmertr und bleibe auf der Schwelle stehen. Man wei ja nie, wie ein Mann auf Koffeinentzug reagiert. Bin schon da, Boss", sage ich frhlich und mustere ihn von oben bis unten. Sein Gesicht hat wieder ein wenig Farbe und er sieht nicht mehr wie eine Leiche aus. Das T-Shirt, welches er trgt, ist zerknittert und seine Haare vom Schlaf zerzaust. Er sitzt aufrecht im Bett und funkelt mir bse entgegen, was mich unwillkrlich schlucken lsst. Eindeutig kein gutes Zeichen.
Wo bleibt mein Kaffee?!" bellt er mir entgegen und ich weiche um einen Zentimeter zurck. Zwischen ihm und mir sind drei Meter Abstand, was bedeutet, dass er mir keine Kopfnuss verpassen oder mir den Hals umdrehen kann, wenn ich ihm jetzt sage, was mir Ducky befohlen hat. Falls er aufstehen sollte, kann ich ihm immer noch die Tr vor der Nase zuschlagen, mich in meinen Wagen setzen und das Weite suchen.
Keinen Kaffee", erwidere ich mit einem dicken Klo im Hals und kann von Glck reden, dass Blicke nicht tten knnen. Du hast eine Magenverstimmung hinter dir und musst dich erst wieder erholen. Da ist es nicht ratsam, wenn" Hr auf wie Ducky daherzureden und besorg mir endlich einen Kaffee!" unterbricht er mich wtend und richtet sich auf. Du hast fnf Minuten, sonst bist du gefeuert!" Du kannst mich nicht feuern, Boss", entgegne ich mutig, obwohl ich mich nicht so fhle. Und wieso nicht, DiNozzo?" fragt er unheilverkndend leise und setzt sich noch aufrechter hin. hm ich bin dein bester Agent und" Dann suche ich mir eben einen neuen besten Agent." Ich schlucke und durchforste mein Gehirn nach einer passenden Antwort. Wie wre es damit? Du hast mich viel zu gerne, als dass du mich entlassen wrdest." Okay, vielleicht htte ich das jetzt nicht sagen sollen. Gibbs kneift seine Augen zusammen und ich beginne, den Rckzug anzutreten. Wie kommst du darauf, dass ich dich mag?" Nun ja also, du httest mich schon viel frher feuern knnen, bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit, aber du hast es nicht getan. Auerdem leidest du zurzeit unter Entzugserscheinungen, deshalb wrde es mich nicht wundern, wenn du nicht klar denken kannst und" Ich breche ab, da mir bewusst wird, dass ich es, egal was ich sage, nur schlimmer machen werde. Gott, wie hat mir Ducky nur so etwas antun knnen? Er wei doch ganz genau, dass es schlimmer als die Hlle ist, wenn Jethro kein Koffein in seiner Blutbahn hat. hm ich gehe dann mal", sage ich leise und trete auf den Gang hinaus. Wenn du etwas brauchst, ich bin unten." Ich brauche Kaffee!" ertnt seine bellende Stimme aus dem groen Bett und lsst mich erzittern. Vielleicht morgen", erwidere ich. Wenn es Ducky erlaubt." Duck ist Pathologe und kein Arzt! Er hat von lebenden Menschen keine Ahnung!" Das ist definitiv der Zeitpunkt, um sich zurckzuziehen. Mit groen Schritten entferne ich mich von Gibbs und lasse mich im Wohnzimmer schnaufend auf dem Sofa nieder. Ich bereue es, hierher gekommen zu sein und sehne mich nach Magnum. Nicht einmal einen Fernseher hat der Mann hier, auer in seinem Keller, den ich aber nicht zu betreten wage, denn sonst kann ich gleich mein Testament verfassen. Also beschliee ich mir einen Krimi aus dem Bcherregal zu nehmen und etwas zu lesen ein Fehler, wie sich herausstellen sollte, denn innerhalb von ein paar Minuten bin ich eingeschlafen.

Ein lautes Splittern reit mich aus einem tiefen Schlaf und fr einen Moment bin ich orientierungslos, bis mir einfllt, wo ich bin und was ich hier berhaupt mache. Ich hre einen eindeutigen Fluch aus der Kche und innerhalb einer Sekunde bin ich hellwach. Nein, das kann nicht sein. Das wrde er nicht wagen, oder vielleicht doch? Verdammt", entfhrt es mir, als mir bewusst wird, dass Gibbs nicht mehr oben in seinem Bett liegt. Ich springe auf, eile in die Kche und bleibe wie angewurzelt stehen. Wie ich vermutet habe, steht er mitten in dem Raum und zu seinen Fen liegt eine zerbrochene Kaffeetasse, die er unabsichtlich fallen hat lassen. Wenigstens ist sie leer gewesen. Was machst du hier?" frage ich und gehe auf ihn zu, in dem Wissen, dass er mich jeden Moment anfallen kann. Ich wohne hier", erwidert er schroff und funkelt mich an. Das ist mir klar. Ich meine eher, was machst du hier unten?" Aber ich kann mir vorstellen was er vorhat, denn nicht umsonst liegt eine Tasse zerbrochen auf dem Boden und in der Kaffeemaschine gluckert es verrterisch. Ich schttle meinen Kopf und sage: Wie kann man nur so uneinsichtig sein? Ich habe gesagt, keinen Kaffee und was machst du?" Ach, sind wir jetzt schon so weit, dass du mir Befehle erteilst, DiNozzo?" Er bringt sein Gesicht nahe an meines, aber diesmal lasse ich mich nicht einschchtern. Wir sind nicht in der Arbeit, Gibbs", antworte ich ihm so gelassen wie mglich. Dort bist du mein Vorgesetzter, aber heute ist Sonntag. Wir haben frei und sind somit auf gleicher Ebene. Und nun ab ins Bett oder ich schwre dir, ich werde mir deine Handschellen nehmen und andere Seiten aufziehen." Von meinen eigenen Worten berrascht, bringe ich ein wenig Abstand zwischen uns. In diesem Moment habe ich mehr denn je den Eindruck, dass er mich am liebsten erwrgen will, aber schlielich entspannt er sich ein wenig, obwohl mir der Ausdruck, der in seine Augen getreten ist, nicht gefllt. Irgendetwas geht in seinem Gehirn vor, das sehe ich sofort. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, eilt er einfach schweigend an mir vorbei und berlsst es mir, den Scherbenhaufen aufzurumen. Verwirrt sehe ich ihm hinterher, denn ich habe mit mindestens einer Kopfnuss gerechnet. Den Grund, weshalb er mich am Leben gelassen hat, erfahre ich eine Stunde spter...

Es ist bereits nach drei Uhr am Nachmittag, als ich vor dem Bcherregal stehe und den Krimi wieder an seinen Platz stelle. Ich habe meine Lektion gelernt. Noch einmal werde ich nicht riskieren, einzuschlafen. Aber womit soll ich mich dann beschftigen? Mir wird klar, dass ich mir meine Mnnermagazine mitnehmen htte sollen, dann wrde ich mich nicht zu Tode langweilen. Eine Sekunde spter jedoch sind die heien Frauen aus meinem Kopf vertrieben. Meine Nackenhrchen stellen sich unwillkrlich auf und ich spre warmen Atem auf meiner Haut. Es ist eindeutig, dass jemand hinter mir steht und da ich niemanden gehrt habe, wei ich sofort, wer dieser jemand ist. Bevor ich mich jedoch umdrehen kann, umschlieen krftige Finger mein rechtes Handgelenk, kaltes Metall, das meine Haut berhrt, lsst mich zusammenzucken und ehe ich mich versehe, bin ich an das Bcherregal gekettet. Mit groen Augen starre ich auf die Handschellen und dann zu Gibbs, der sich aus der Reichweite meiner freien Hand gebracht hat und mir ein kleines Lcheln schenkt. Verdammt, was soll das?" frage ich ziemlich laut und rttle an dem Regal, muss aber einsehen, dass es nichts bringt. Manchmal hast du auch gute Ideen, Tony", sagt Jethro mit unschuldiger Stimme und da wird mir bewusst, weshalb er vor einer Stunde so einen hinterhltigen Ausdruck in den Augen gehabt hat. Ich htte die Handschellen wohl nicht erwhnen sollen.
Komm schon, Boss, mach mich los", versuche ich es auf die mitleidige Tour, aber meine flehende Stimme lsst ihn kalt. Jetzt bin ich wieder dein Boss, ja?" erwidert er, auf meinen kleinen Vortrag von vorhin anspielend. Ich werde mir nun einen Kaffee machen." Damit verschwindet er in der Kche. Gibbs!" schreie ich ihm hinterher. Du kannst mich hier doch nicht so zurcklassen!" Keine Antwort verdammt. Ruhig Blut, Anthony", murmle ich und begann mich umzusehen. Meine Augen suchen Buchreihe fr Buchreihe ab, bis ich etwas finde, was mein Herz schneller schlagen lsst. Damit wirst du nicht durchkommen", flstere ich und schnappe mir die Broklammer, die als Lesezeichen in einem Roman steckt. Geschickt biege ich sie zurecht und beginne an dem kleinen Schloss der Handschellen zu werken. Dass Jethro zu einer solchen Methode greifen wrde, htte ich nie fr mglich gehalten - dass es ursprnglich meine Idee gewesen ist, vergesse ich geflissentlich. Eine Minute spter habe ich es geschafft, lasse die Handschellen in meiner Hosentasche verschwinden sicher ist sicher und eile in die Kche, wo Gibbs an der Anrichte gelehnt dasteht und eine Tasse an seinen Mund fhrt. Stopp!" rufe ich aus einem Impuls heraus und komme in den seltenen Genuss, ihn zusammenzucken zu sehen. Verblfft, dass ich mich befreit habe, sieht er mich an, gleich darauf verzieht er jedoch verrgert seinen Mund. Kann man nicht einmal in Ruhe einen Kaffee trinken?" Seine Stimme troff vor Sarkasmus. Nicht, wenn du ihn nicht bei dir behalten kannst", erwidere ich und funkle ihn bse an. Das weit du doch gar nicht." Du etwa?" Langsam reit mir der Geduldsfaden. Wie kann man nur so stur sein? So uneinsichtig? Die paar Stunden wirst du auch noch so berstehen", versuche ich ihn milde zu stimmen, gehe auf ihn zu und nehme ihm die Tasse aus den Fingern - ein weiterer Fehler. Kaum habe ich ihm den Rcken zugedreht, kommt das Unvermeidliche: Gibbs verpasst mir eine saftige Kopfnuss.

Irgendwie habe ich es geschafft, dass er wieder ins Bett geht unter groem Protest und mit Drohungen, mich zu feuern und ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Anstatt mich wieder ins Wohnzimmer zu setzen, platziere ich mich in der Kche. Und siehe da: Jethro lsst sich nicht einmal blicken. Aber es ist nicht so, dass er es nicht wieder versucht htte. Da ich auch nur ein Mensch bin, meldet sich meine Blase zu Wort es ist kurz vor acht Uhr abends und als ich wieder von der Toilette komme, finde ich Gibbs in der Kche, wie er schon wieder Kaffeepulver in die Maschine fllt. Unverbesserlicher Sturkopf!" sind die ersten Worte, die mir einfallen und ich spre, wie mich die Geduld verlsst. Wieso mache ich mir berhaupt so eine Mhe wegen ihm? Kann mir doch egal sein, wenn er die ganze Nacht ber der Toilette verbringt. Aber auf einmal wird mir bewusst, dass ich das gar nicht will, mir wird bewusst, dass ich es nicht gerne sehe, wenn er krank ist. Verdammt!
Obwohl es mir wehtut, sehe ich keine andere Mglichkeit mehr. Ich verwende denselben Trick, den er bei mir angewendet hat

Du bist ein toter Mann, DiNozzo", sagt er ein paar Minuten spter, als wir nebeneinander in seinem Bett liegen, beide zugedeckt, wobei ich jedoch noch immer voll angezogen bin. Momentan fhle ich mich aber ziemlich lebendig", erwidere ich, grinse und fange gleich darauf zu ghnen an. Mit einem Ruck hebt er seine rechte Hand und zieht somit meinen linken Arm mit nach oben. Schlie sofort die Handschellen auf!" Morgen", ist meine Antwort darauf und ich zerre meinen Arm wieder nach unten. Wohlweislich habe ich den Schlssel den ich in Jethros Nachttisch gefunden habe unter die Matratze auf meiner Seite gesteckt. Wenn er auch nur den Versuch macht, sich ber mich zu beugen oder sonst irgendwie aufzustehen, werde ich es sofort merken. Mde schliee ich meine Augen und spre, wie ich wegdmmere. Woher nimmst du die Sicherheit, dass ich dich nicht einfach im Schlaf erwrge oder mit dem Polster ersticke?" dringt seine Stimme leise an mein Ohr. Dafr hast du mich doch viel zu gerne, Boss", murmle ich und schlafe ein paar Sekunden spter ein, weshalb ich nicht mitbekomme, wie er mich ein paar Minuten lang eingehend mustert und schlielich flstert: Wie Recht du doch hast, Tony. Wie Recht du doch hast."


Eine Woche spter

Sonntag - fr mich der schnste Tag in der Woche. Kein lstiger Wecker, der einen vor sechs Uhr aus dem Schlaf reit, kein dichter Morgenverkehr, der bereits zu frher Stunde die Nerven strapaziert, kein Groraumbro, in dem es hektisch hergeht und vor allem kein schlechtgelaunter Boss, der einen herumscheucht.
Der Frhling hat endgltig in Washington Einzug gehalten, die Sonne scheint vom wolkenlosen blauen Himmel und wrmt mit ihren Strahlen die Erde. Die ersten Bltter bedecken die ste der Bume und bunte Blumen schillern auf den grnen Wiesen. Es ist ein friedlicher Sonntag, richtig geeignet, um sich von einer stressigen Woche zu erholen - schon allein deshalb liebe ich diesen Tag, an dem sogar Mrder meistens Frieden geben und bis Montag warten, um wieder zuzuschlagen. Ich fange zu ghnen an, strecke mich gensslich und blttere eine weitere Seite des FHM um, geniee die Ruhe, die lediglich durch das Konzert der Vgel unterbrochen wird. Herrlich, diese Stille
DiNozzo!" Der laute Schrei lsst mich so heftig zusammenzucken, dass mir das Heft aus der Hand fllt und auf der Bettdecke landet. Ich blicke vorsichtig zur Tr, wo Gibbs steht und mich wtend aus seinen blauen Augen anfunkelt. Was hat Ducky gesagt?!" brllt er mich an. Absolute Bettruhe", murmle ich kleinlaut und sehe auf mein geliebtes Magazin. Und keine krperliche Anstrengung." Genau!" Er kommt auf mich zu und bevor ich es verhindern kann, nimmt er die Zeitschrift an sich. Und fr mich fllt das unter krperliche Anstrengung!" Aber ich habe mich keinen Zentimeter bewegt." Was aber sicher nicht auf jeden Krperteil von dir zutrifft." Er sieht mich wissend mit einer erhobenen Augenbraue an. Komm schon, Boss. Das kannst du mir nicht antun. Ich brauche doch etwas, um mich von dieser Grippe abzulenken." Auf meine Worte folgt ein lautes Niesen, wobei ich es gerade noch schaffe, mir die Hand vorzuhalten.
Jethro beugt sich zu mir herunter, bringt sein Gesicht bis auf wenige Zentimeter an meines und ich widerstehe nur knapp dem Drang, die Bettdecke bis zu meinem Kinn hochzuziehen und mich wie ein verngstigtes Kleinkind daran zu krallen. Ein kleines Lcheln bildet sich auf seinen Lippen und er flstert: Wie du mir, so ich dir." Anschlieend richtet er sich wieder auf und geht zur Tr, dreht sich aber noch einmal um. Wenn du etwas brauchst, ich bin unten." Ich brauche mein Magazin", sage ich laut und deutlich, fr den Fall, dass er es nicht versteht. Aber er schttelt nur seinen Kopf und lsst mich alleine zurck. Frustriert lasse ich mich in die Kissen fallen und starre auf die Zimmerdecke. Wie ich Sonntage hasse!

Ende!!!!